Koi Herpes Virus

Koi Herpesvirus (KHV)

Seit Ende 2005 ist KHV eine anzeigepflichtige Tierseuche

Zu der wichtigen Frage, wer zur Seuchenmeldung verpflichtet ist, schreibt §9 TierSeuchenGesetz vor:

(1) Bricht eine anzeigepflichtige Tierseuche aus oder zeigen sich Erscheinungen, die den Ausbruch einer solchen Tierseuche befürchten lassen, so hat der Besitzer der
betroffenen Tiere unverzüglich der zuständigen Behörde oder dem beamteten Tierarzt Anzeige zu machen und die kranken und verdächtigen Tiere von Orten, an denen
die Gefahr der Ansteckung fremder Tiere besteht, fernzuhalten.

(2) Die gleichen Pflichten hat, wer in Vertretung des Besitzers den Betrieb leitet, wer mit der Aufsicht über Tiere anstelle des Besitzers beauftragt ist, (…) wer
Fischereiberechtigter, Fischereiausübungsberechtigter, Betreiber von Anlagen oder Einrichtungen zur Zucht, Haltung oder Hälterung von Fischen ist. Die gleichen
Pflichten hat für Tiere auf dem Transport ihr Begleiter, für Haustiere in fremdem Gewahrsam der Besitzer des betreffenden Gehöftes, der Stallungen, Koppeln oder Weideflächen.

(3) Zur unverzüglichen Anzeige sind auch die Tierärzte und Leiter tierärztlicher und sonstiger öffentlicher oder privater Untersuchungsstellen sowie alle Personen verpflichtet,
die sich mit der Ausübung der Tierheilkunde (…) beschäftigen, (…), die Fischereisachverständigen, die Fischereiberater, die Fischereiaufseher (…).“

Demnach sind auch Sie als Tierhalter zur unverzüglichen Anzeige bei der zuständigen Behörde (Veterinäramt) ihres Landkreises verpflichtet (am besten telefonisch).
Dabei ist nicht nur der Ausbruch, sondern bereits der Verdacht der Seuche anzeigepflichtig. Wer die ihm obliegende Anzeige nicht oder nicht unverzüglich erstattet, handelt
ordnungswidrig und kann mit bis zu 25.000 € Geldbuße belegt werden.
Die Tierseuchen-Gesetzgebung schreibt bisher durch spezielle weiterführende Verordnungen
keine Maßnahmen vor, die beim Verdacht oder bei Ausbruch der Tierseuche zu treffen sind, insbesondere (noch) nicht die Sperrung von Betrieben oder die Pflicht zur
Keulung (Tötung) infizierter Bestände. Dennoch hält das Tierseuchen-Gesetz prinzipiell die Möglichkeit offen, diese Maßnahmen im speziellen Fall durchzuführen zu können.
Was ist das KHV?

Diese Erkrankung wird durch Viren ausgelöst, die der Gruppe der Herpesviren angehören. Das KHV wurde erstmals Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts in den
USA unter dem Elektronenmikroskop entdeckt und anschließend für weitere Untersuchungen vermehrt. Das Virus manifestiert sich klinisch in einem bestimmten Temperaturbereich von etwa 17-28 °C . Bei höheren und bei niedrigeren Temperaturen ist das Virus i.d.R. inaktiv, kann sich aber im Fischkörper in bestimmte Gewebe zurückziehen; man geht davon aus, daß die Fische latent infiziert sind und es bleiben. Der Nachweis des Virus erfolgte zunächst durch Anzüchtung mittels Zellkultur auf Koi-Flossen-(KF-1)-Zellen und später auf Karpfen-Gehirn-(CCB)-Zellen. Mittlerweile gelingt das kulturelle Anzüchten des Virus nur noch in den seltensten Fällen. Der Nachweis erfolgt momentan durch das PCR-Verfahren (Polymerase Kettenreaktion), in dem DNA-Fragmente des Virus molekularbiologisch nachgewiesen werden.

Wie sicher ist der KHV-Test am lebenden Fisch?

Kurz gesagt: nicht sicher und nicht aussagekräftig. Das Virus hat die Eigenschaft, nur in bestimmten Geweben des Fisches nachweisbar zu sein und sich in spezielle Gewebe zurückziehen zu können. Nach derzeitigem Wissen ist das Gehirn eines dieser Rückzugsgebiete. Ein sicherer Nachweis kann also nur durch die Untersuchung eines Organpools und nicht durch den Nachweis aus nur einem Organ wie z.B. der Kieme gewährleistet werden. Beim Test am lebenden Fisch werden unter Narkose nur kleine
Partien aus den Kiemen entnommen und untersucht. Der Virustest kann dann lediglich nachweisen, ob Virus-Partikel in den Kiemen sind oder nicht. Trotz eines negativen Ergebnisses können also immer noch Viren im Rest des Körpers vorhanden sein!
Ohne Tötung und Sektion eines Fisches sowie Untersuchung eines Organ-Pools kann kein aussagekräftiges Testergebnis erzielt werden!
Wie wird KHV übertragen?

KHV verbreitet sich nach derzeitigem Wissen von Fisch zu Fisch oder auch über das Wasser. Es ist sehr ansteckend: Nach derzeitigem Wissen genügen ein Wasserspritzer, ein feuchter Kescher oder eine feuchte Hand, um es weiter zu verbreiten.
Woran erkennt man KHV?

Die Inkubationszeit kann mehrere Tage bis Wochen betragen. Sie ist abhängig von der Wassertemperatur und von Streßfaktoren seitens des Fisches. Es gibt verschiedene mögliche Symptome:

Abmagern der Tiere, Apathie, Freßunlust, Stehen am Einlauf

evtl. auch Glotzaugen

Schleimbildung auf der Haut; Schleimhautablösungen; sandpapierartige Schleimhaut

verschleimte Kiemen

Kiemennekrose

extrem hohe Verluste, bis zu 90% innerhalb weniger Tage

Treten mehrere dieser Symptome gleichzeitig auf und greift die Erkrankung vor allem bei Wassertemperaturen von über 20 °C rasend schnell um sich, dann liegt der Verdacht auf einen KHV-Ausbruch sehr nahe.
Wie kann man seine Koi vor KHV schützen?

Jedes Zusetzen neuer Fische zu altem Bestand stellt ein Risiko für das Einschleppen des KHV dar. Als größtmöglicher Schutz vor dem KHV kann folgendes empfohlen werden:

setzen Sie Neuzugänge zunächst bei gut 20°C Wassertemperatur in Quarantäne, mindestens für 14 Tage

achten Sie auf strikte Hygiene (Gerätschaften, Personenverkehr…..)

mischen Sie niemals den alten und neuen Bestand ohne Quarantäne

mischen Sie niemals Koi verschiedener Lieferanten und/oder Herkünfte ohne Quarantäne
Was tun, wenn KHV ausgebrochen ist?

Wenn Sie erkennen, daß KHV ausgebrochen ist, zeigen Sie dieses bei Ihrem zuständigen Veterinäramt unverzüglich an. Die Veterinärbeamten werden Sie dann über geeignete weitere Maßnahmen informieren bzw. zu treffende Maßnahmen anordnen.
Gibt es KHV-resistente Koi?

Mancherorts wird behauptet, daß es sie gibt. Angeblich sollen das Virus bzw. die Krankheitssymptome oberhalb von 30°C „verschwinden“ und auch nicht wieder ausbrechen.
Auch sollen diese als NIF (natural immunized fish) oder NR (natural resistant) bezeichneten Koi keine anderen mehr anstecken können.Dazu gibt es aber bisher keinerlei wissenschaftlich fundierte Untersuchungen oder gar Beweise. Vor allem die Behauptung, NIF´s oder NR´s könnten keine anderen Koi mehr infizieren, ist äußerst kritisch zu bewerten.Es gibt Koi, die eine KHV-Infektion überleben und danach keine Symptome einer Erkrankung mehr zeigen. Mittlerweile darf aber als gesichert gelten, daß diese Koi andere Fische mit KHV infizieren können.

Hinterlasse eine Antwort